Wie viel Quadratmeter braucht ein Mensch zum glücklich wohnen?

von Wiebke

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte – das macht bezahlbaren Wohnraum zu einer Rarität. Etliche Menschen arbeiten fast nur noch für ihre Miete – aber macht das zufrieden? Sind 80 besser als 120? Oder wie lebt es sich in einem hippen Tinyhouse? Ich habe mich auf die Suche gemacht, genau das herauszufinden.

Ich lebe mitten in Berlin – in einer Wohnung mit 80qm. Zusammen mit Hund, Katze und meinem Mann Nino. So was wird zukünftig kaum mehr möglich sein. Aber wie wird sich unser aller Wohnsituation verändern?

Noch können wir uns unsere Wohnung leisten – aber auch wir machen uns Gedanken. Deutschlandweit steigen die Mieten weiter und es zieht immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Der Platz wird enger, das Angebot kleiner. Der logische Schluss: entweder verkleinern oder doch rauf auf’s Land? Denn eines wollen wir nicht: in einem Hamsterrad leben um nur noch für die Miete zu arbeiten. 

Der minimalste Raum für einen Menschen in Deutschland:
Erwachsene 9qm, Kinder unter 6 Jahren: 6 qm

Wie viel Quadratmeter machen denn offiziell glücklich?

Wir Deutschen haben ja für alles Regelungen, Normen und Gesetze. Ein Schwein muss zum Beispiel 0,5 bis einem Quadratmeter haben um „schweinewürdig“ gehalten zu werden. Gibt es solch eine Zahl auch für uns Menschen? 

Dazu hat die deutsche Wohnungsaufsicht eine klare Meinung.  Demnach sind pro Erwachsener mindestens 9qm vorgeschrieben. Für Kinder unter sechs Jahren: 6qm. Das ist gerade mal die Größe einer Parklücke! Diese Zahlen existieren, weil zum Beispiel festgesetzt werden muss, wie groß eine Gefängniszelle für einen Erwachsenen sein muss um noch menschenwürdig zu sein. 9qm – das erscheint mir echt wenig. 

Zum Thema „echter Wohnung“ sieht gibt es auch ein offizielles Minimum. Die Hartz4 Grundlage sieht vor: eine Wohnung sollte mindestens 45qm haben – für jede weitere Person kämen 15 dazu. So will es das Gesetz. 

Wohnen – ist weniger mehr?

Der Trend geht zum „Downsizing“ – sich zu reduzieren. Wer so wie ich gerne campt, hat sicher schon mal festgestellt, dass es auch mit wenig Platz toll funktionieren kann. Aber auf lange Zeit außerhalb des Urlaubs? Hmm, ich weiß nicht. Wenn man den Tinyhouse-Besitzern oder Van-Bewohner bei Instagram folgt, (und das werden immer mehr) dann scheint das Leben auf so begrenztem Raum superdupertoll zu sein. Aber ist das real?

Aber um es erleben zu können muss man es schon mal selbst ausprobieren – und genau das habe ich mit meinem Mann gemacht. Einen Tag und eine Nacht wohnten wir zur Probe auf 20 Quadratmetern. Oder eher gesagt: 28 – denn durch eine zweite eingezogenen Ebene, die fast alle Mini-Häuser besitzen, rechnet man noch ein paar mehr dazu. 

Wie wollen wir wohnen?

Glücklich auf kleinstem Raum? Meine Erfahrungen im Tiny House

Unser Test beginnt mit einer Führung des Anbieters. (an dieser Stelle sei gesagt, wir werde nicht für Werbung bezahlt – die Nacht wurde selbst bezahlt) Toll sieht es aus – alles durchdacht, viele Möbel haben eine Doppelfunktion. Der Badezimmerspiegel ist zusätzlich eine Heizung, die Treppe ist gleichzeitig der Schrank. Pfiffig, würde mein Vater sagen. Und dennoch: es gibt nur eine Tür – die zum Badezimmer. Ob das als Rückzugsmöglichkeit reicht, würden wir aber erst nach längerem Wohnen feststellen können.

Das Mini-Haus auf Rädern hat tatsächlich all das, was auch ein großes Haus hat: Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer und sogar eine Büroecke. All das halt nur in klein. Sogar eine Schlafcouch und einen Kamin gibt es. Dafür hat dieses Tinhouse-Exemplar von „Rolling Tinyhouses“ auch einen stolzen Preis: gut 70.000 Euro. Dafür gibt es sogar eine platzsparende Fußbodenheizung. Es geht natürlich auch viel billiger, kleiner oder weniger luxuriös.

Mein Mann ist jedenfalls sofort begeistert vom kleinen Haus auf Rädern – und ich auch. Man muss ja nicht 10 Meter Platz zwischen Couch und Fernseher haben – zwei reichen. Auch ich merke: ein Herd mit zwei Platten langt völlig – man muss nur etwas umdenken. Wenn da nur nicht das Schrank-Problem wäre… In unserem Testmodell würde mir das -trotz vorheriger Reduzierung- wahrscheinlich immer noch viel zu wenig Staufläche sein. 

Eines fällt mir beim Probewohnen extrem auf: die Unordnung meines Mannes! Klar nervt das auch zu Hause auf 80 qm – aber hier funktioniert Unordnung mal so gar nicht! Sofort sind die Laufwege blockiert. Und das nur, weil eine Jacke auf dem Boden liegt und die Schuhe nicht gleich weggestellt wurden.

Die Schlafebene oben macht dafür aber umso mehr Spaß: das Bett ist mit seinen 180×200 cm sogar größer als bei uns zu Hause. Nur dass man hier nicht stehen – sondern nur krabbeln oder hocken kann. Aber ok: man schläft eh in der Horizontalen. Uns stört der niedrige Raum nicht. Allerdings muss man immer hoch- und runterkraxeln um in den Schlafbereich zugelangen. Das könnte nervig sein wenn man krank ist oder mal zu tief ins Glas geschaut hat. 

Ich habe mit vielen Menschen gesprochen die in Tinyhäusern leben – doch die Vor- und Nachteile sind bei fast jedem gleich. Und auch wir ziehen nach unserem Probewohnen das folgende Fazit:

Lieber Tinyhouse oder Schloss – was bist du für ein Typ?

5 Vorteile vom kleinen Wohnen

  1. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren gefällt mir innerhalb unserer Konsum-Gesellschaft schon gut. Der wenige Stauraum sorgt automatisch dafür, sein altes Leben auszumisten. 
  2. Weniger Putzen! Logisch, wer weniger Platz hat, muss weniger putzen. Super Vorteil!
  3. Schön Wohnen auch mit kleinem Geldbeutel. Auch wenn ein Tinyhouse verhältnismäßig nicht wirklich günstig ist: man zahlt keine Miete und hat auch mit kleinem Budget sein Eigentum.
  4. Die Natur als zweites Wohnzimmer. Weil es drinnen dann und wann schon beengt ist, sind Tinyhouse-Besitzer häufiger draußen in der Natur.
  5. Weniger variable Kosten: ein kleinerer Raum muss weniger geheizt werden. Und man benötigt weniger Licht – so spart man zusätzlich.

5 Nachteile vom kleinen Wohnen

  1. Stauraum ist kaum vorhanden – Menschen die ein Hobby besitzen welches viel Platz benötigt, werden es in den eigenen vier Wänden schwer haben. Platz für Vorratshaltung ist auch kaum vorhanden.
  2. Schlechtes Wetter sorgt dafür, dass man das „draußen“ welches sonst der erweiterte Wohnraum ist, nicht nutzen kann. Und somit kann’s drinnen dann doch sehr eng werden.
  3. Momentan ist es extrem schwierig einen Stellplatz für sein Tinyhouse zu finden. Leider hat Deutschland zu viele Gesetze. Das Grundstück muss erschlossen sein um einen ersten Wohnsitz anmelden zu können. So fallen die meisten Wochenendgrundstücke oder Campingplätze raus. 
  4. Ordnung ist nicht das halbe – sondern das ganze Leben! Wer es nicht so damit hat, wird auf so kleinem Raum echte Probleme bekommen. 
  5. Streit – das kann auf solch wenig Quadratmetern zum Urknall werden. Wer es nicht schafft, als Paar Probleme gleich auszumerzen, der wird im Tinyhouse Schwierigkeiten bekommen. Rückzugsmöglichkeiten gibt es meist nicht.
Glücklich wohnen – was braucht es dazu?

Die Formel für glückliches Wohnen

Glückliches Leben hat also nichts mit den Quadratmetern zu tun, so die Forscher. Wichtig ist nur, dass es einen Rückzugsort für jeden gibt. Einen Raum wo man mal die Tür zumachen und für sich sein kann. Und noch eines schlussfolgern die Experten: man muss freiwillig da sein.

Denn klar, ein Knacki wird wohl kaum in seiner 9qm-Zelle glücklich leben – auch wenn er seine Tür zumachen kann und die laut Wohnungsaufsicht minimale Wohngröße bewohnt. Logisch.

Und wir sehen ja auch dass es funktionieren kann auf kleinem Raum zu leben. Es muss nicht das große Haus sein, es muss nicht die 140qm Wohnung sein. Und wie sagte ein bekannter Schriftsteller so schön: 

Raum ist in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar.

Friedrich Schiller

In diesem Sinne:

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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