NACHGEFRAGT: Jules – Gründerin von urbarium.de // Heilung aus der Natur

von Wiebke

Heilpflanzen und Naturkosmetik – mega angesagt gerade! Und deswegen wollen wir euch heute Julia, genannt Jules, von Urbarium vorstellen. Sie setzt das alte Heilwissen ganz neu in Szene und begeistert damit Tausende. Aber nicht nur ihr Wissen ist grandios – sie ist auch ein Beispiel für einen neuinterpretierten Phönix aus der Asche. Warum? 

Mein absoluter Insta-Crush

Kennt ihr das? Ihr klickt euch durch Instagram und bleibt bei einer Person, einem Account so hängen, dass ihr spontan einen Fan-Club gründen wollt? So erging es mir vor längerer Zeit mit Jules aus Heidelberg und ihrem Account urbarium. Warum?

Weil sie nicht nur ein fundiertes Wissen über Heilkräuter und Naturkosmetik hat (sie ist gelernte Pharmazeutin), sondern weil sie wahnsinnig witzig, authentisch und quirlig wie eine Bande Erdmännchen ist. Sie hat, so finde ich, Geschmack und ein Gespür für Design. Außerdem betreibt sie mit ihrem Mann eine kleine Stadtfarm und gleich noch ein paar Airbnb-Herbergen (ganz unten findet ihr die Links dazu).

Wer uns bei Insta folgt, kennt schon unsere Lobeshymne auf die feste Handbutter floralis. Unserer Mutter und meiner Nichte Maartje hat sie die Hände gerettet. Wirklich! Oder ihr wisst bereits von unserer Schwärmerei für ihr DIY-Naturkosmetik-Buch. 

Aber Jules ist für mich auch ein Beispiel für eine Neuversion des Phönix (teaste ich ja bereits an). Dafür, dass man sich absolut neu erfinden kann. Früher Pharmazeutin, dann Medienpädagogin, dann Lehrerin. Dann Burnout. Darüber spricht sie ganz frei und all das hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist: eine erfolgreiche „grüne“ Gründerin. Aber bevor ich jetzt noch mehr verrate – wir haben da ja noch 14 Fragen an sie. Bitteschön!

NACHGEFRAGT

Name: Julia (Jules) Sentman

Alter: 180 gefühlt, 40 in echt

Beruf: Lehrerin, Medientante, Pharmazeutin

Wohnort: Heidelberg

Lieblingsspruch: Von nix kommt nix. Und: Weniger ist mehr!!!
Außerdem: einfach machen!

Jules

1. Wen siehst du, wenn du in den Spiegel guckst?
Freude, Freiheit, bisschen Ungeduld

2. Heilkraft aus der Natur ist ja derzeit Trend. Wie kamst du überhaupt zum Thema?
Nach der Schulzeit wusste ich nicht so recht, was ich werden soll. Meine Mutter latschte in die nächstgelegene Apotheke und meldete mich zum Praktikum an. Das, was man beim Beratungstermin für Berufe im Arbeitsamt anschauen konnte, gefiel mir gleich: Kräuter mischen, Tinkturen herstellen, usw. Also sagte ich ja zu einer Ausbildung, nur um dann festzustellen, dass man in der Apotheke vor allem Big Pharma verkauft – also primär besser ausgebildete Verkäuferin ist und sich mit elenden Rechnungen der Krankenkassen rumschlagen muss. 

Ab und zu hatte ich die eine oder andere Teemischung in der Rezeptur*, die ich für Heilpraktiker oder Hebammen anfertigte aber das war es auch schon mit den Heilkräutern. In der Ausbildung ging es dennoch sehr tief in die pharmazeutische Biologie. Welche Pflanze wirkt wie? Welcher Teil der Arzneipflanze wird verwendet, da er die meisten Inhaltsstoffe aufweist, Dosierungen (Leben und Tod liegen oft so nah beieinander) und natürlich die Apothekenkunst und Arzneiformenlehre.

(*Rezeptur = Begriff für das Laborbereich in der Apotheke)

3. Früher sagte man zu Unrecht „Unkraut“ – welches ist dein liebstes Kraut welches man am Straßenrand findet?
Ich glaube, ich freue mich über alle wilden Heilpflanzen. Am meisten hat mich die Entdeckung von Bitterorangen und Hopfenranken am Heidelberger Philosophenweg gefreut. Breitet man den Hopfen dann zum trocknen aus, riecht die ganze Bude nach Cannabis, denn Hopfen gehört zu den Cannabinaceae, den Cannabisgewächsen. 🙂

Ansonsten finde ich es besonders schön, beim Spaziergang oder auch auf einem ruhigen Spielplatz gemeinsam mit meinem Töchterlein eine eigene Teemischung zu pflücken: Schafgarbe, Brennnessel, zartes Mädesüß, Frauenmantel.. was auch immer gerade Saison hat und zuhause noch mit etwas frischer Pfefferminze aus dem Hof zu verfeinern.

4. Was ist – in deinem Job – dein bisher größter Erfolg/ schönster Moment?
Wahrscheinlich, das wachsende Interesse und das Vertrauen, dass mir Leute entgegenbringen. Die Ahaaa -Momente in Workshops. Wenn Phytotherapie oder unterstützende Kräuter den Teilnehmern plötzlich plausibel werden. 

Doch, ein Erlebnis aus der Apotheke werde ich nie vergessen. Eine von Schweißausbrüchen geplagten Dame in den Wechseljahren, konnte kein Arzt helfen. Woche für Woche kam sie mürrisch gelaunt in die Apotheke und ich mischte ihr starke Schweißhemmer zusammen. Als die Dosis auf einem Rezept noch einmal verdoppelt wurde, fragte ich sie, ob das Medikament denn gar nichts bringt und ob sie Interesse an einem pflanzlichen Tipp habe.

Ich empfahl ihr 2-3 Tassen Salbeitee pro Tag. Sie war eine fast finstere, schlechtgelaunte und etwas einschüchternde Persönlichkeit, kein Wunder, traute sie sich ja nicht mehr unter die Leute. Aber sie nahm meinen Tipp resigniert an und schon drei Tage später kam sie freudestrahlend in die Apotheke gestürmt: keine Chemie, keine Adstringentien hatten ihr bis dato geholfen. Der Salbeitee, der von innen heraus schweißhemmend wirkt, war ihre Rettung! Sie strahlte, war ab sofort wieder mit ihren Freundinnen unterwegs und trank dankbar ihren Salbeiblättertee.

5. Stell dir vor, du wärst eine Pflanze – welche wärst du und warum?
Vielleicht ein Weidenkätzchen. Weil süß, schnuffelig und weich. Oder Heilpflanze? Dann Pfefferminze.

6. Jeder hat mal Wehwechen. Welche drei Pflanzen sollte jeder bestenfalls im Garten oder auf dem Balkon haben?
Salbei, Pfefferminze, Thymian. Vor allem die mediterranen Kräuter lassen sich gut zuhause ziehen und man findet sie hier kaum wild. Auf meinem Blog habe ich eine Liste zum Download über ca. 50 Heilpflanzen. Über die Hälfte davon findest du draußen, deshalb sollte man sich kuriosere Kräuter selbst anpflanzen.

Pfefferminze (Mentha X piperitae) ist eine sterile Hybride und wurde vor über 200 Jahren als Kreuzung entwickelt. Wird man wild nicht finden. Aber die Pfefferminze ist so ein tolles Heilkraut, das jedem Anfangsgärtner gelingt. Ich meine, ich habe die beste, robusteste Sorte auf meiner kleinen Farm. Wer in der Gegend wohnt, darf sich gerne ein paar Ableger luxen.

7. Die Heilkräuter finden bei dir auch den Weg in die selbstgemachte Naturkosmetik. Welches Produkt sollte deiner Meinung nach jeder haben und warum?
Wunderbares Trockenshampoo kannst du dir herstellen aus duftenden Blüten oder Kräutern und etwas Stärke. Gerade jetzt im Zuge der Zerowaste Welle, kann man die Beautyroutine einmal überdenken. Nicht jeden Tag duschen, weniger Shampooflaschen, mehr Balance für die Kopfhaut.

Apropos Blüten: Ringeblumen, bspw. wirken wahnsinnig gut als Ölauszug. Mehrere Wochen wird die pulverisierte Blütendroge in Öl mazeriert und anschließend filtriert. Wundheilungsfördernd, entzündungshemmend, antimikrobiell. Außerdem wird die Gewebeneubildung gefördert. Wie du es richtig hergestellst, habe ich kürzlich in einem Video erklärt. Gibt’s auf dem Blog. 

Eine andere tolle Sache für die Haut sind Umschläge. z.B. wirkt das wilde Stiefmütterchen kortisonähnlich und hilft bei Ekzemen. Ich habe eine Mischung mit anderen schönen Blüten zusammengestellt. Als Dampfbad und Gesichtsmaske. Warum immer zu den silikonverseuchten, wasserbasierten Kommerzprodukten greifen? Alle reden immer von Bionahrung für den Körper und klatschen sich dann Toxine ins Gesicht.

8. Welchen Rat gibst du anderen Heilkräuter-Interessierten mit auf den Weg?
Schaff dir ein gescheites Nachschlagewerk an und trete gerne meiner Heilpflanzenschule bei. Ich stelle gerade eine wissenschaftlich fundierte 3 monatige Schule auf die Beine, bei der die Teilnehmer alles lernen, was sie brauchen um zu erkennen, zu sammeln, trocknen, verarbeiten und vor allem um Heilpflanzen anzuwenden.

9. In unserem Blog geht es darum, sich das Leben (egal wie) schön zu machen. Wie machst du es dir schön?
Ich bin etwas OCD und ADHS. Ich mache es mir schön, indem ich alles weiß mache (z.b. gefundene Möbel restaurieren), einen Tee aufbrühe und alleine auf meiner Terrasse sitze. Außerdem liebe ich es, Erde selbst zusammenzustellen. In der Erde wühlen, Kräuter teilen und neu setzen… es verzaubert mich schon seit der Kindheit.

10. Was möchtest du noch unbedingt in deinem Leben erreichen?
Meinen Kindern die Welt zeigen und generell etwas mehr reisen. Erreichen ist gerade kein gutes Wort für mich. Doubling down ist eher angesagt. Eine Freundin meinte kürzlich, ich müsste eigentlich schon 70 oder 80 sein, nach dem, was ich schon alles auf die Beine gestellt habe.

Jules Supertipp: oben links – Möchspfeffer

11. Stell dir vor, du könntest deinem Ich von vor 10 Jahren einen Tipp geben. Was würdest du dir selbst raten?
Sniper statt Shotgun und zur mentalen sowie hormonellen Ausgeglichenheit: Mönchspfeffer. HAHA!!! Aber im Ernst. Wahrscheinlich: in das investieren, das auch Frucht trägt. Seien es Menschen oder Projekte.

12. Welches sind deine Blog und Insta Account Favoriten?
Öh. Sarah Sherman Samuel (Interior Design), Felix Bork (Autor von Oh! Eine Pflanze) und Syl Loves.

13. Welche Superkraft hättest du gerne?
Nie schlafen zu müssen. Oder mich bei Bedarf zu klonen.

14. Was du immer schon mal sagen wolltest…
Von nix kommt nix.

Danke, Jules.

Wisst ihr, das Tolle an ihr ist, dass sie all ihr Wissen gerne teilt. Entweder ihr kauft ihr Buch oder durchforstet kostenlos ihren Blog. Somit könnt ihr alles selber entdecken und herstellen. Wer es bequemer mag, kauft in ihrem Shop. Was für Haare, Hände, Haut oder auch Tees… alles dabei.

Ein Abo bei Instagram lohnt sich auch. Ihre Stories sind so lustig, interessant und herrlich authentisch. Manchmal filmt ihr Sohn und ab und zu läuft mal ein Huhn oder Kätzchen durchs Bild. Eben wie eine quirlige Erdmännchen-Bande. Ein Hoch auf ihr bisschen ADHS! Ich liebe es.

Eure Wiebke

Ihr wollt noch mehr zu Jules wissen? Hier findet ihr den Weg zu ihr:
Instagram: urbarium.de
Website: urbarium.de / stadtfarm.com
AirBnb: Gewächshaus  Tiny House Van 

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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