Haus geerbt: Einziehen oder doch lieber was Eigenes?

von Marieke

„Kind, willst du unser Haus übernehmen?“, so in etwa lautete die Frage meiner Eltern vor ein paar Monaten. Wenn man sich in der „ich will ein Haus-Phase“ befindet eine äußerst brisante Frage. Was will man überhaupt, wenn man aus der Mietwohnung raus will? Neubau, Altbau, Fertigbau? Oder eben: Elternhaus? Machen oder lieben lassen? Was ich jedem nur raten kann, erzähle ich dir gerne.

Traumhaus abzugeben

Ein Haus in zweiter Generation. Schön, groß und mit wundervollem Garten. Ein Idyll auf dem Land – irgendwo zwischen Hildesheim und Hannover. Eigentlich ein Traum. Eigentlich. Denn wird man plötzlich vor die Frage gestellt: „willst du es übernehmen?“ – dann kommen da auf einmal 1.000 zusätzliche Fragen auf einen zu.

Fakt ist: ich, mein Mann und meine zwei Kinder wollen raus aus der Mietwohnung. Wir wollen was Eigenes. Mehr Platz und einen Garten. Außerdem mit einer Immobilie an die Altersvorsorge denken ist ja auch nicht schlecht. Aber auch wenn unser Wunsch da ist: so einfach ist das nicht. Solltest du dich in der gleichen Lage befinden, weißt du bestimmt, was ich meine.

Die Frage nach dem „Was“:
Altbau? Neubau? Fertigbau?

Früher war es normal, dass Kinder Haus und Hof von den Eltern übernehmen. Da stellte sich die Frage meist erst gar nicht. Inzwischen ist dem aber nicht mehr so. Die erwachsenen Kinder ziehen dorthin, wo der Job ist oder die Lust zu Wohnen am größten. Denn arbeiten kann man glücklicher Weise inzwischen bei vielen Jobs von zu Hause aus.

Diese freie Wahl, die man heute hat, macht die Entscheidung nicht leichter. Was dann nämlich zu der Frage führt, was für ein Haus man sich generell vorstellen kann. Neu? Fix und fertig? Und soll es überhaupt ein Altbau sein? Was sind generell die Vorteile, was die Nachteile davon?

Der Bauratgeber Deutschland hat es mal auf den Punkt gebracht:

Vorteile Altbau

  • Planungs- und Bauphase fallen weg
  • man sieht sofort, was man bekommt
  • günstiger als ein Neubau
  • auch in zentralen Lagen zu finden
  • man kann meistens relativ schnell einziehen

Nachteile Altbau

  • Haus entspricht nicht unbedingt genau den eigenen Wünschen
  • Technik oft veraltet (z.B. Heizungsanlage)
  • hohe Sanierungs- und Instandhaltungskosten
  • Umbaumöglichkeiten begrenzt
Ein Eigenheim bedarf guter Planung

„Großes Haus mit parkähnlichem Garten auf dem Land abzugeben“ Jackpot?

Ja, ist er das nun, der Jackpot? Wiebke und ich hatten eine wundervolle Kindheit und haben unser Elternhaus und den Garten in vollen Zügen genossen. Wir hatten Hasen, Ziegen, Hühner, Hunde, Katzen, Fische, … dazu einen riesigen Garten voller Kletterbäume. Ein wahrer Abenteurspielplatz.

Für unsere Eltern, beide über 70, ist das 350qm Haus samt des riesigen Gartens auf jeden Fall zu groß geworden. Ihr Abenteuer ist dort vorbei. Doch ist es auch das Abenteuer, welches wir benötigen? Denn es ist ja nicht nur das Haus an sich – es ist auch die Umgebung die man mitkauft.

Die Frage nach dem „Wo“:
Dorf, Kleinstadt oder Metropole?

„Du kannst alles ändern, nur die Lage nicht!“

Mein Onkel Kees Westerbeek, Architekt

Recht hat er. Und deswegen sollte sich jeder vorm Hauskauf genau diese Frage stellen! Auch ich. Inzwischen weiß ich, dass ich kein Mensch bin, der für immer in der Großstadt leben möchte. Auch wenn ich seit Jahren glücklich in Berlin, Deutschlands größter Stadt, glücklich lebe.

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und die Natur ruft mich. Dorfleben ist ok, wenn es etwas Infrastruktur gibt und eine Anbindung ans Öffentliche Verkehrssystem. Ein Städtchen auch. Und dennoch, die alte Heimat reizt mich nicht. Durch meine vielen Reisen und das Leben in anderen Städten weiß ich einfach: da draußen in der Welt gibt es noch schönere und lebenswertere Ort als mein Heimatdorf.

Zurück ins Elternhaus – ja oder nein? Wie treffe ich eine Entscheidung?

Welche Fragen sollte man sich also stellen, damit man später nicht unglücklich ein neuer Hausbesitzer ist? Soll ich überhaupt wieder an den Ort meiner Kindheit ziehen? Wer entscheidet: der Bauch oder der Kopf? In unserem Fall war es eine gesunde Mischung. Ich zeig dir, wie wir es gemacht haben. Vielleicht helfen unsere Gedanken auch dir bei der Entscheidung.

Vorweg: Die Entscheidung, egal wie sie ausfällt, ist für UNSER LEBEN und das unserer Kinder wichtig. Wir stehen im Fokus. Meine erwachsenen Eltern sind für ihr Leben selbst verantwortlich und müssen ihre eigenen Entscheidungen treffen.

Stelle dir folgende Fragen, wenn auch du dich entscheiden möchtest, ob du das Haus deiner Eltern übernehmen möchtest.

  • Kannst du dir generell vorstellen in das Haus deiner Kindheit einzuziehen bzw. dein Partner in das der Schwiegereltern?
  • Haben beide Partner einen Job vor Ort oder was wäre beruflich möglich? Wäre die Gleichberechtigung (weiterhin) gegeben?
  • Bist du bereit, deine jetzige Heimat und deinen Freundeskreis zu verlassen?
  • Fühlst du dich von der potentiellen (neuen) Umgebung inspiriert und kannst dir vorstellen, dort zu leben – samt Mensch und Kultur?
  • Kannst du dir vorstellen in der Heimat deiner Kindheit zu wohnen und die „alten Gesichtern“ wieder regelmäßig zu sehen?

Folgende Gründe sprachen eindeutig dafür, das Haus zu kaufen:

  • Kein Makler, kein Duellieren mit anderen Bewerbern. Stattdessen hätte ich meinen Eltern das Haus abgekauft bzw. hätte einen Teil meines Erbes erhalten und meiner Schwester ihren Anteil ausgezahlt. 
  • Keine versteckten Mängel. Ich kenne mein Elternhaus in- und auswendig. Zudem verschweigen mir meine Eltern keine To Do’s im Haus, sondern hätten mich eher darauf hingewiesen.
  • Guter Fang: Ein 350qm Haus mit über 1.000 qm großem angelegten Garten zu einem gutem Preis – das findet man nicht alle Tage.
  • Die Kids könnte ich ohne Probleme in der Kita, Schule oder im Sportunterricht anmelden. Ganz anders die Situation hier in Berlin, wo mein Sohn fürs Turnen auf Warteplatz Nummer 120 steht!
  • Ich habe noch immer Freunde in der Gegend und müsste diesbezüglich nicht bei Null anfangen. 
  • Ich habe die tollsten Erinnerungen an meine Kindheit und hätte meinen Kindern gerne das Geschenk gemacht, ebenfalls so in der Natur aufzuwachsen.

Tipp: Du bist dir unsicher? Dann suche das Gespräch mit deinen Freunden. Diskussionen sortieren Gedanken und bringen Licht ins Dunkel

Mache dir bewusst: Eine Entscheidung ein Haus zu kaufen, ist keine Entscheidung bis zum Ende deines Lebens. Du kannst es jederzeit wieder verkaufen und einen neuen Ort zum Leben suchen.

Viel Platz für große Feste

Und wie ist unsere Entscheidung letztendlich ausgefallen?

Wir haben uns gegen den Kauf meines Elternhauses entschieden. Zum einen wünschen wir uns ein Ort zum Leben, an dem Gemütlichkeit (niederländisch = gezelligheid) richtig gelebt wird. Der Rheingau beispielsweise, wo mein Mann herkommt, lockt zum Beispiel mit seinen Weinständen zum gemütlichen, spontanen Miteinander. Das Gefühl dort ist anders als in meinem Dorf in Niedersachsen.

Aber der ausschlaggebende Grund war für uns die Summe an Koffern die wir hätten tragen müssen. Neue Jobs, Umbau, neue Freundeskreise, etc. Einen kräftezehrenden Jobwechsel haben wir beide gerade erst hinter uns gebracht. Unser Leben mit Kleinkindern ist derzeit trubelig und anstrengend genug, so dass wir das Gefühl haben, die Vielzahl an Baustellen nicht wuppen zu können, ohne dabei zu viele Federn lassen zu müssen.

Nach meinem Burnout vor vielen Jahren ist mir durchaus bewusst, wie wichtig es ist, auf die eigene Energiereserven zu achten.

In diesem Sinne: Wenn du vor der Entscheidung stehst, dein Elternhaus zu übernehmen, so überlege es dir gut. Und entscheide dich nur dafür, wenn du dich wirklich glücklich bei der Entscheidung fühlst. Denn manchmal ist es besser einen (schmerzvollen) Abschied in Kauf zu nehmen, um anschließend mit etwas Neuem, Wunderbaren anzufangen.

Nur mit leeren Händen kann man nach Neuem greifen

Unbekannt

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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