GESTATTEN DATSCHE: Ernte Dank

von Wiebke

Irgendwie komisch: in der Stadt bekommt man nur selten mit, wann die Ernte eingefahren wird. Da erfährt man nur wenig davon, dass es auf den Feldern, Äckern und in den Gärten nun „time to say goodbye“ sagen heißt. Dabei wird das Erntedank-Fest seit Jahrhunderten gefeiert. Macht nur kaum noch einer. Zeit das zu ändern!

Her mit der Erntedank-Revulotion

„Thanksgiving“ das amerikanische Pendant zu unserem Erntedankfest ist mal wirklich eine ganz andere Nummer. Nun gut, man muss nicht alles toll finden was aus den USA kommt – aber dieses Fest finde ich dann doch 1.000 mal schöner als bei uns. Der Tisch wird zu einer Tafel, alle Töpfe sind prall gefüllt, Freunde, Familie, Verwandte… alle sitzen zusammen und feiern.

Warum ist das bei uns meist an die Kirche geheftet? Ehrlich? Ich find es blöd. Natürlich hat das einen geschichtlichen Hintergrund – aber ich brauche keine Religion um der Natur zu danken. Deswegen bin ich ganz klar für eine Ernte-Dank-Revolution.

Lasst uns außerhalb der Kirche danke sagen – für all das was auf unseren Feldern gewachsen ist

Als Dorfkind weiß ich, dass alles ein Ende hat. Und nun ist es wieder so weit: langsam leeren sich die Äcker – die Ernte wird eingefahren. Auch in den Gemüsegärten wird es leerer. Ein paar grüne Tomaten hängen noch und der ein oder andere Kürbis oder Kohl wartet noch aufs geerntet werden. Die Gartensaison neigt sich langsam dem Ende zu – zumindest hierzulande.

Warum ich nie wieder den Spaten zur Seite legen werde…

Karotten, Spinat, Radieschen, Mangold, Kohlrabi, Buschbohnen, Feuerbohnen, Tomaten, Wachsbohnen, Salat. Seit dem ich selbst Gemüse und Obst anbaue, weiß ich die Früchte noch mehr zu schätzen. Wer schon mal aus einem kleinen Samen einen Kohlrabi gezogen hat, ihn gegossen, vor Schädlingen beschützt und vor Unwetter gerettet hat – der weiß: nichts wächst von alleine. Sollten wir nicht alle etwas dankbarer sein, dafür was da auf unseren Tellern landet?

Für den einen ist der Garten ein grüner Klotz am Bein. Klar, es ist nicht jedermanns Ding – wir müssen ja auch nicht jeder selbst mehr anbauen wie früher. Wir können auf den Markt, in den Supermarkt und selbst der Kiosk/ Späti/ Büdchen hat noch Tomaten und Äpfel. Ich aber habe entschieden: ich will wieder mehr Bezug zur Natur. Ich will selbst anpflanzen.

Zwar haben wir unsere Gestatten Datsche ja schon länger – aber Obst und Gemüse gibt es erst seit diesem Jahr bei uns im Garten. Trotz Baustelle wollte ich mir meine Freude daran nicht nehmen lassen und habe halt im Kleinen angefangen selbst anzubauen.

Ein Garten in in seltsamen Zeiten

Durch die Corona-Krise weiß ich den Garten aber noch mehr zu schätzen. Es tut gut zu wissen, dass ich mein eigenes Essen anbauen kann – wenn ich es müsste. Nicht nur weil ich dann totale „Erzeuger-Tranzparenz“ habe, sondern auch weil ich nicht abhängig sein müsste von leeren Supermarktregalen.

Deswegen sage ich meinem Garten und jeder Pflanze die geerntet werden konnte, noch mehr danke. Und nicht nur den Pflanzen die ich selbst kultiviert habe – mein Dank gilt auch den wilden Gewächsen dort draußen. Den Wildkräutern, den Heilpflanzen, den Bäumen, … Denn aus ihnen fertige ich meine eigene Natur-Apotheke an. Die Gewächse helfen also nicht nur beim satt werden – sondern auch beim gesund werden.

Danke, lieber Garten. Danke liebe Natur. Nicht nur am Erntedankfest. Nicht nur an Thanksgiving.

Zum Schluss fällt mir dieses Gedicht ein, ein Lied für den Herbst…

Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hat‘s vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen
So mancher Apfel lacht!

Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er teilt sie fröhlich aus,
Und geht dann, wie am Bettelstabe
Ein armer Mann, nach Haus.

Voll sind die Speicher nun und Gnaden,
Dass nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.

Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Laßt uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er.

„Herbstlied“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Jetzt wo die Beete leerer werden, fange ich an ans nächste Jahr zu denken. Ich sammle Saatgut meiner Pflanzen – und wenn ich eine schöne Blume auf dem Feld sehe, kann ich auch dort zu dieser Zeit Samen sammeln. Im nächsten Jahr wachsen dann zum Beispiel Königskerze und Judassilberling bei uns. Und das sogar für umme. Das ist auch eine Form von Ernte, also danke.

Feiert ihr eigentlich Erntedank? Und wenn ja, wie? Trefft ihr Freunde, Familie und Verwandte so wie es die Amis machen? Oder geht ihr in die Kirche um die opulent geschmückten Altare zu sehen? Schreibt’s in die Kommentare – ich freu mich drauf.

Wiebke

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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