SCHWESTERNDIALOG: Uups, fast 40

von Wiebke

Früher war das Alter mega wichtig: 14, 16, 18, 30 Jahre – das waren noch Geburtstage! Aber sind wir mal ehrlich: irgendwann ist es einem total egal, was da als nächstes zahlentechnisch vor der Tür steht. Oder? Dingdong – „Hier ist kommt die 40“ heißt es bei uns gerade. Ist man wirklich so alt, wie man sich fühlt? Der Schwesterndialog über Falten, Jungbrunnen und so einige Zweifel…

Vierzig. Ist das toll oder eher eine Horrorvorstellung? Fakt ist: es ist fast die Hälfte des Lebens! Man hat fast alles schon mal erlebt: die Liebe, den Abschied, den Tod eines geliebten Menschen. Alle Hochs und Tiefs hat man in dem Alter schon mal durchlebt. Das ist toll. Auf der anderen Seite…

Was kommt da noch?

Diese Fragen stellen wir zwei uns manchmal. Mal mehr und mal weniger. Die eine mehr als die andere. Dazu kommen Fragen, die sich viel mehr mit dem eigentlichen Sinn des Lebens beschäftigen: Wer bin ich wirklich? Welche Fußstapfen möchte ich auf der Welt hinterlassen? Was möchte ich unbedingt noch in meinem Leben machen? 

„Je älter man wird, desto mehr ähnelt die Geburtstagstorte einem Fackelzug.“

Katharine Hepburn
Zum Weinen?

Hallo Schwester, sind wir jetzt alt?

Das fragen wir uns jetzt mal ganz bewusst. Und eines können wir schon mal vorab sagen… danach fühlen wir uns ein bisschen besser. 

1 // Je älter man wird, desto mehr rast die Zeit. Siehst du das auch so?

Wiebke:

Nein. Denn wenn ich ehrlich bin, ist die Zeit immer gerast. Auf den 18. Geburtstag habe ich noch hingefiebert, verständlicherweise. Führerschein, Alkohol kaufen, Verträge abschließen. Davor wollte ich, dass die Zeit rast. Danach hat sie einfach weitergemacht mit dem rasen, die Zeit.

Als Redakteurin und TV-Produzentin beginnt mit jedem Film eine neue kleine Zeiteinheit. Die Zeit rast damit nur vielleicht etwas bewusster weil man sie in „kleine Schubladen“ steckt. Das hat man früher nicht so getan.

Marieke:

Ja. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass die Zeit in meiner Kindheit nur aus dem Heute bestand. Zuerst Kindergarten oder Schule, dann von 15:00-18:00 spielen mit einer Freundin und anschließend Abendessen – das war mein Tag. 

Früher war’s eben einfach ganz anders

Allein schon beruflich rast heute die Zeit. Da werden Projekte über Monate geplant und umgesetzt. Was sind da schon zwei Wochen? Gar nichts. Die Zeit rast und schwups, ist man schon wieder ein Jahr älter.

Und ja, an dem Spruch „An den Kindern sieht man wie die Zeit vergeht“ ist was dran. Auf einmal sind die Kinder der Freunde schon 10, dabei ist es gar nicht lange her, dass man das Baby auf dem Arm gehalten hat.

2 // Hast du Angst vorm Älterwerden?

Wiebke:

Jein. Grundsätzlich habe ich wenig Angst vor irgendwas. Aber ich habe Respekt vorm „alt sein“. Denn wenn ich mich heute in Berlin umsehe, sehe ich oft Geldnot und Einsamkeit bei vielen alten Menschen. Das finde ich schrecklich und unfassbar ungerecht. Und klar, das will ich nicht im Alter erleben.

Falten und graue Haare wären mir natürlich gerne egal, sind aber vor der Kamera einfach nicht so dolle. Genau da wünsche ich mir aber ein Umdenken! Das hochgelobte Wort „Diversity“ gilt auch für ältere Menschen.

Jetzt bin ich auch dran… Damn!

Marieke:

Nö. Wirklich nicht. Ich finde jedes Alter bisher spannend. Und ich habe weder Angst vor Falten noch vor dem Tod. 

3 // Fühlst du dich jung oder alt?

Wiebke:

Natürlich würde ich gerne schreiben: jung. Aber tatsächlich lässt mich diese Zahl, diese 40, darüber neuerdings nachdenken. Mein Mann ist 13 Jahre jünger als ich – in unserer kleinen Welt bin ich da also eh immer die Ältere. Aber alt fühle ich mich auch nicht. Ich würde tatsächlich momentan sagen: ich bin irgendwas dazwischen.

Marieke:

Jung. Ich spreche von mir und meinen Freundinnen noch immer von den „Mädels“. Und noch vor ein paar Jahren stand ich in der U-Bahn neben ein paar jungen Frauen, ungefähr so alt wie ich. Ich lauschte deren Gespräch. Und auf einmal sprachen die vom Abitur. Haha. Leichte Fehleinschätzung meinerseits : )

4 // Wo siehst du dich in 40 Jahren?

Wiebke:

Absolut keine Ahnung. Und genau das ist gut so. Meine Lieblingsvorstellung: zufrieden auf irgendeiner Düne, Hand in Hand mit meinem Mann Nino. Daneben ein Hund. Ob diese Düne in Deutschland oder auf dem Mars ist, ist mir relativ egal.

Marieke:

Hand in Hand mit meinem Mann. Spazierend in der Natur. Glücklich und zufrieden mit uns und unserem Leben.

5 // Lebst du mit fast 40 bewusster, als noch vor 10 Jahren?

Wiebke:

Oh Gott, ich hätte nicht gedacht, dass ich DAS mal sagen werde: ja! Früher wurde ich mal folgendes gefragt:

„Wenn du wählen könntest: ein langes Leben mit Verzicht oder ein kurzes Leben ohne Verzicht – für was würdest du dich entscheiden?“

Ich hätte sofort das Zweite gewählt! Mittlerweile denke ich da anders. Verzicht finde ich zwar noch immer blöd – aber heute genieße ich mehr. Und das in kleineren Dosen. Früher war da mehr die Lust nach Neuem, nach Grenzen austesten. Da bin ich natürlich reifer geworden.

Aber dennoch würde ich auch jetzt noch nicht das Erste wählen! Meiner Meinung nach muss man das Leben leben – und dazu gehört auch ne ordentlich Portion Unvernunft. Jeden Tag nur Knäcke mit Quark, stilles Wasser und um 21:00 ins Bett, das ist nix für mich.

Marieke:

Ja, ich glaube schon. Vor allem aber viel relaxter und selbstbewusster. Früher war ich oft unsicher und habe mir große Gedanken darüber gemacht, was andere sagen. Vor allem bis 16. Von da an ging’s mit dem Selbstbewusstsein bergauf.

6 // Was sagt dein Körper? Falten, Hängebusen und Gelenkschmerzen?

Wiebke:

Falten: Check. Hängebusen: Nope. Gelenkschmerzen: Check. Ahhhh, ich sehe gerade, welches Foto meine Schwester da schon in den Artikel eingefügt hat. Der Titel könnte ja nun wirklich heißen „Wiebke mit Falten“ Haha. Tja.

Das ist nun mal der Beweis: ich werde tatsächlich älter. Das Foto finde ich zwar toll, aber ich kann mich erinnern, dass ich mir genau danach eine neue Augencreme zugelegt habe. ; ) Aber hauptsache die Augen strahlen.

Marieke:

Aufgrund der zwei Schwangerschaften ist leider nichts mehr so straff wie es mal war. Aber ich arbeite daran, dass es wieder besser wird ; ) Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich inzwischen Lippenstift nur noch mit Lipliner auftrage, da dieser sonst am Lippenrand ausläuft. Dieses Phänomen habe ich damals nur bei älteren Frauen gesehen.

7 // Was macht das Alter aus beruflicher Sicht mit dir?

Wiebke:

Ich mache mir noch mehr Gedanken über den Sinn als ich es früher eh schon getan habe. Klar wächst mit dem Alter auch die Erfahrung. Heute bin ich viel mehr bei mir, weiß was ich will und nicht will – und kommuniziere das auch klar. Alles andere bringt nix.

Ich arbeite hauptsächlich vor der Kamera – im TV-Business ist es natürlich oberflächlich. Leider. Aber da ich nicht den klassischen Moderationsjob habe, sondern als On Air Reporterin aufdecke, hinterfrage und helfe, spielt das Alter nicht solch eine bedeutende Rolle. Ich habe einen Kollegen mit weißen Haaren der über 50 ist. Ihn machen die Haare sogar noch etwas seriöser.

Ich und mein Team – im Hintergrund die immer gleich alt bleibende Barbie

Marieke:

Als Berufsanfänger war ich oft unsicher. Mit fast 40 stehe ich auf einmal mit nem Sack voll Erfahrung und Kompetenz da. Das fühlt sich ziemlich gut an.

8 // Welchen Rat hättest du dir selbst vor 10 Jahren gegeben?

Wiebke:

Investiere in eine richtig gute Augencreme mit viel Feuchtigkeit. Schmink dich mehr ab. Das ist die oberflächliche Beantwortung der Frage. Aber sonst würde ich nichts ändern.

Auch wenn ich vor 10 Jahren so viel gearbeitet hab, dass ich nur dachte „Wenn ich sterbe, dann an Überarbeitung“ – selbst das würde ich nicht anders machen. Jede Phase im Leben ist wichtig. Vor allem, um heraus zu finden , was man NICHT will.

Marieke:

Gar keinen. Denn ich finde mein Leben von A-Z gut. Auch aus schlechten und schmerzvollen Phasen meines Lebens habe ich im Nachhinein viel gelernt. Oder doch, etwas vielleicht schon: Nimm dir jeden Tag bewusst Zeit für dich selbst und lerne, mal ab und zu das Tempo rauszunehmen. 

9 // Wo spielt Alter für dich im Alltag eine Rolle?

Wiebke:

Wenn ich mich zum Beispiel mit der kleinen Schwester meines Mannes unterhalte. Emily ist fast 15 – und da merke ich den Altersunterschied natürlich enorm. Und ich würde lügen, wenn mir der bei mir und meinem Mann nicht auch manchmal auffallen würde. Trotzdem: ich genieße den Altersunterschied! Allein schon, weil man mit ihm herrlich rumalbern kann.

Wichtig: das Kind in dir erhalten

Marieke:

Hm. Bei dem Wunsch ein Eigenheim zu besitzen. Denn mit steigendem Alter wird es immer schwieriger den Kredit noch abzuzahlen.

10 // Was hält dich jung?

Wiebke:

Meine Neugier. Mein Streben nach Veränderung. Mein innerliches Kind.

Marieke:

Meine Kinder. Wir toben, klettern und singen viel gemeinsam. Aber lustiger Weise tragen sie auch zum Älterwerden bei. Denn die Nächte sind immer noch durchzogen von Wachphasen. Frisch, jung und munter sehe ich am nächsten Morgen nicht unbedingt aus : )

Tanzen hält definitiv jung!

11 // Wenn du zurückschaust – gibt es Dinge, die du hättest besser machen wollen?

Wiebke:

Nein. Doch. Ich hätte mir früher als 18- jährige mehr Mut gewünscht, ins Ausland zu gehen. Dabei haben wir sogar Freunde in den USA. Das ist eine vertane Chance. Aber das ist nichts was mir wehtut, nicht getan zu haben.

Marieke:

Ja, ich hätte zum Beispiel auf meinen Bauch anstatt auf meinen Verstand hören sollen, als ich mal einen neuen Job angenommen habe. Der war leider alles andere als rosig und ich habe „vernünftiger Weise“ den Arbeitgeber nicht gewechselt. Aber auch daraus habe ich viel gelernt.

12 // Was begreift man erst, wenn man fast 40 ist?

Wiebke:

Das Zeit endlich ist. Dass man wirklich das tun soll, worauf man Lust hat. Dass man sich von Menschen trennt, die einem nicht 100% gut tun. Was ich vorher schon wusste, mir aber deutlicher wird: dass alles im Flow ist, nichts für immer bleibt und es immer eine Wahl gibt.

Marieke:

Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich bereits mit fast 30 viele Dinge wusste. Denn uns Kindern wurden schon viele Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben.  

13 // Stell dir vor, du könntest ein Alter wählen, welches für immer bleibt. Welches Alter würdest du wählen? 

Wiebke:

Puh, das ist schwierig. Ich dachte mal, dass es toll ist, mal wieder so jung zu sein, dass man keine große Verantwortung übernehmen muss. Aber ganz ehrlich: das hieße auch, jemand anderes bestimmt für dich. Nee, das will ich nicht.

Immer 5? Immer ohne Verantwortung?

Ich fand Anfang 30 ne ziemlich geile Zeit. Man hat beruflich was erreicht, hat noch keine Kinder, ist frei und kann zu jedem Abenteuer bewusst ja sagen. Gerade beim Schreiben merke ich, das trifft noch jetzt auf mich zu. Geil! Los komm doch, 40, ich steh über dir! Hoffentlich kann ich das auch noch mit 50 sagen.

Marieke:

Gar keines. Mein Herz ist voller wunderbarer Erinnerungen an meine früheste Kindheit. Als Jugendlicher habe ich viel gefeiert und hatte die beste Mädelsclique der Welt. Als junger Erwachsener habe ich es genossen, mein erstes Geld zu verdienen und auf eigenen Beinen zu stehen.

Und nun bin ich unglaublich glücklich und dankbar einen tollen Mann und zwei liebe und gesunde Kinder an meiner Seite zuhaben. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich mein Leben weiter entwickelt. Stillstand fände ich langweilig.

Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

Franz Kafka

Was für tolle Worte vom Herrn Kafka! Das kann man sich ruhig jeden Tag vornehmen das Schöne zu sehen. Immer gut. Wenn das dann auch das „Älter werden“ gefühlsmäßig schöner macht, umso besser.

Was denkt ihr? Was bedeutet das Älterwerden für euch? 

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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4 thoughts on “SCHWESTERNDIALOG: Uups, fast 40

  1. Ich bin jetzt fast 71, und hab nachgedacht was für mich die beste (schönste) Zeit war. Bis 30 in Holland aufgewachsen, gearbeitet und 13 mal umgezogen. Mit 30 geheiratet, nach Deutschland gezogen, 2 Tolle Kinder bekommen, Haus gekauft, und Part-Time in der Hausarzt Praxis meines Mannes mit gearbeitet. Mit 40 ein super tolle Freundeskreis aufgebaut. Viele, viele Parties, Kinder aus dem gröbsten raus, sprudelnd von Energie. Mit 50, noch immer super aktiv. Die Kinder nabeln sich ab. Es entstehen andere freiräume. Mit 60, noch mitten im Leben. Genieße die Zeit mit die selbstständig gewordene Töchter, Mitte 60 : Oma geworden, in Rente gegangen, das Leben ist schön, auch wenn alles etwas langsamer geht. 70. ich fühle mich viel, viel jünger. Genieße das Leben und der doch viel kleiner gewordene Freundeskreis . Die ersten sind schon gestorben, welche weggezogen und welche haben der Schritt gewagt und ins bereute Wohnen zu gehen. Wie geht es mit mir weiter?? Keine Ahnung, genieße das Leben und bin neugierig was der Zukunft für mich in petto hat. Kurzum: meine schönste Zeit war 40-50 !!

    1. Hallo, habe gerade den Beitrag „ups bald 40“ gelesen und dann Wendelas Kommentar :
      Wie ähnlich die einzelnen Jahrzehnte auch bei mir verliefen –
      und auch ich würde sagen:
      zwischen Ende 30 und Mitte 50 war die tollste Zeit.
      Was ich mir immer wieder bewusst mache: herrlich, dass ich mich auch jetzt mit 70 noch so fit fühle (meistens jedenfalls).
      Es ist sooo schön die Enkelkinder heranwachsen zu sehen, schöne Reisen machen zu können und mit unserem Chor wunderbare Musik einzustudieren und richtig gute Konzerte zu geben (solange der „Stimm-Tüf“ grünes Licht zeigt)….

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