KURZ MAL WEG: Istanbul

von Wiebke

Es gibt keine Stadt, die mich nachhaltig so fasziniert, wie Istanbul. Im Ernst. Unfassbar freundliche Menschen, überall Wasser, grandioses Essen, tolles Wetter und kleine Preise. Aber: ich bin Journalistin – ein nicht unriskanter Trip zu diesen Zeiten. Warum es sich dennoch so was von lohnt, erfahrt ihr in 1,83 Sekunden. Wenn ihr weiterklickt…

Es gab was zu feiern: meinen runden Geburtstag. Den wollte ich nicht wie sonst üblich, mit Freunden verbringen, sondern ganz alleine, weit weg mit meinem Mann Nino. Ich wollte aufwachen, in einem Traum von 1.001 Nacht. Wollte Exotik, andere Gerüche, andere Geschmäcker. Erst dachte ich an Marrakesh, aber da war ich schon mal und die Flugverbindungen von Berlin aus sind derzeit echt doof. Also Istanbul!

Istanbul, eine heikle Reise?

Türkei: lassen oder machen?

Vorweg muss ich sagen, dass nicht jeder aus meinem Umfeld begeistert war, dass ich als Journalistin in die Türkei fahren will. Jeder weiß, dass der Präsident so ein klitzekleines Problem mit meinem Beruf hat. Oder mit Menschen, die was gegen ihn haben. Aber deswegen einschüchtern lassen? Deswegen dieses wundervolle Land, diese so hochgelobte Stadt links liegen lassen? 

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er das Risiko in Kauf nimmt. Aktuelle Reisewarnungen findet man auf der Seite des Auswärtigen Amtes – das kann helfen. 

Betroffen von den oben genannten Maßnahmen sind insbesondere, aber nicht ausschließlich deutsche Staatsangehörige mit engen privaten und persönlichen Bindungen in die Türkei sowie Personen, die neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzen.

Auswärtiges Amt, 03.2019

Und ich bin ehrlich: ich habe vor der Reise meine Social Media Konten wie eine Irre durchforstet: hab ich nicht doch vielleicht mal was geteilt, was mich in Gefahr bringen könnte? Das gleiche habe ich meinem Mann befohlen. Man weiß nicht, was man da vor 3,4,5 Jahren mal geteilt oder geliked hat. 

Wie du am besten vom Flughafen bis zum Hotel kommst – Taxi, Transfer, Sammelbus oder die öffentlichen Verkehrsmittel

Mit Turkish Airlines (wow, super Fluggesellschaft – unbeauftragt/ selbstbezahlt) ging es zum Flughafen Atatürk. Istanbul, mit seinen inoffiziell 20 Millionen Einwohnern, besitzt drei Flughäfen. Der neuste, größte liegt im Norden und wird ab April 2019 wohl der Wichtigste. Wer das erste mal Istanbul besucht, dem empfehle ich, in der Altstadt namens „Sultanahmet“ zu schlafen. Der Flughafen Atatürk ist da der Nächste.

Unser Hotel, das Regie Ottoman, lag so super, dass wir ganz einfach die öffentlichen Verkehrsmittel genommen haben. Vom Flughafen direkt in die Metro, einmal umsteigen und den Rest mit der Straßenbahn. Circa 40 Minuten Fahrt. Easy und laut vieler Blogs auch der schnellste und unkomplizierteste Weg. Taxi ist teuer und du stehst oft im Stau. 

Klein und voll, oder groß und voll: Istanbuls Straßen

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Istanbul haben einen guten Ruf – den kann ich nur bestätigen. Sauber, zuverlässig und ein gut verständliches Verkehrsnetz. Du kannst aber auch per Taxi, Sammelbus oder privatem Transfer (meist über das Hotel aus buchbar) zum Hotel kommen. Der Transfer sollte 35 Euro kosten – die Fahrt mit Metro und Straßenbahn für zwei Personen nicht mal drei Euro! Wir wollten Abenteuer und das Geld lieber auf dem Basar ausgeben. 

Holt euch dazu am besten die „Istanbulkart“ – das ist eine aufladbare Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Lohnt sich auf jeden Fall, weil ihr damit bei jeder Fahrt 50% spart. Auch auf Fähren! 

Wo du am besten schläfst

Ich habe mich vorher etwas auf dem Türkeireiseblog von Thomas schlau gemacht. Tolle Seite übrigens! Und der empfahl, sich bei der ersten Istanbul-Reise in der Altstadt einzuquartieren. Das habe ich zu keinster Zeit bereut. Ebenso wenig wie unser Hotel.

Das Regie Ottoman ist ein elegantes Boutique Hotel. Ein 200 Jahre altes Gebäude, welches vor ein paar Jahren liebevoll restauriert wurde. Hier trifft Industrial-Schick auf Orient. Zu dem ist das Personal einfach unfassbar freundlich und hilfsbereit! Das Frühstück ist außerordentlich gut, es hat einen atemberaubenden Gym und eine Sauna.

Die zentrale Lage ist perfekt: du bist in 5 Minuten zu Fuß an der bekannten Galata-Brücke (dort wo die Angler oben fischen und unten die Fischrestaurants sind). Die wichtigsten Sighseeingpunkte, wie die Hagia Sophia, die blaue Moschee, die S Moschee, der Große Basar oder der Galata-Turm sind in maximal 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Unschlagbar.

Meine eigentlich erste Wahl traf das Romance Istanbul Hotel. Irgendwie fand ich diesen türkischen Prunk, das hoteleigene Hamam und den Pool schön. Irgendwie hab ich mich dann beim Buchen vertan. Egal. Das Regie Ottoman war super. 

Oder ab ins Soho House Istanbul. Wer das Soho-Prinzip noch nicht kennt: es ist eine weltweite Kette feinster Häuser, die Treffpunkt vieler Künstler, Schauspieler und Kreativer sind. In dem Berliner Pendant logieren auch gern mal bekannte Hollywoodstars. Allerdings ist das Istanbuler Haus nicht in der Altstadt, sondern in Beyoglu. Also mehr was für den zweiten Besuch, finde ich.

Ansonsten gibt es natürlich alle bekannten Hotelketten. Viele der 5-Sterne-Häuser sind allerdings nicht in der Altstadt, die großen Klötze würden da gar keinen Platz finden. Deshalb: guckt unbedingt vorher auf die Karte, wo das begehrte Hotel wirklich genau liegt! Wie gesagt, Istanbul ist mit 20 Millionen Einwohnern riesig. 

Istanbul: ein Shopping-Paradies

Die Türkei erlebt derzeit einen enormen Wertverfall seiner Währung. Gut für uns – denn das macht das Shoppen noch billiger als zuvor. Wir haben fünf Tage fürstlich gelebt, haben geshoppt und uns von A nach B bewegen lassen. Zu zweit haben wir nicht mehr als 400 Euro ausgegeben. 

Dort ist einfach alles günstiger: der MAC Lippenstift z.B. kostet sechs Euro weniger, ein sagenhafter Fisch-Wrap nicht mal 2 Euro und ein Tee gerade mal 48 Cent. Und das sogar an einem Touri-Hotspot! Was auch immer ihr unternehmen wollt: gönnt es euch! Ist derzeit billig! Und man kann gutem Gewissens überdurchschnittlich Trinkgeld geben. Tut ja nicht weh.

Großer Basar, fliegende Händler, kilometerlange Einkaufsstraßen

Istanbuls Shopping-Boulevard befindet sich zwischen Galata-Turm und Taksim Platz im Stadtteil Beyolgu. 1,5 Kilometer lang und voller Geschäfte und Marken, die man auch bei uns kennt. Dazwischen mal eine Botschaft, eine katholische Kirche, Bars, Dönerläden oder kleine Shopping-Malls. Wer also nicht groß feilschen will (das ist auf dem Basar einfach Pflicht), geht dorthin. Abends wird die Straße eher zur Ausgehmeile – gerade rund um den Taksim-Platz. 

Um den Galata-Turm findest du ein paar coole Second-Hand-Läden und kleine kreative Boutiquen. Auf der asiatischen Seite, im Stadtteil Kadiköy ist der Kiez „Moda“ toll zum Einkaufen und Spazieren. In den kleinen Straßen findest du Streetart, Tattoo-Shops, kleine Barber, Bars und kreative Geschäfte.

Die Sache mit den Replicas

Wer an die Türkei denkt, denkt bestimmt auch an gefälschte Markenartikel. Stimmt. Hier bekommst du alles. An fast jeder Ecke. Schuhe, Taschen, Gürtel, Tücher, Shirts, Jeans, Pullis… Der Verkaufsschlager derzeit: die Gucci-Schuhe mit der Biene drauf und Balenciaga Sneaker. Normal kosten die 700 Euro – da ungefähr 20. Aber leider sehen viele auch so aus. 

Fake oder FakeFake?

Hier findest du zwei gefälschte Versionen: eine billige Ausführung vorne bei den fliegenden Händlern… und eine verdammt gut gemachte in versteckten Showrooms. Feinstes Leder, mit Original-Karton und gefälschten Papieren. Echt. Wie du da ran kommst? Sag dem Verkäufer einfach, du suchst nach „good quality“ – dann organisiert er jemanden, der dich woanders hinführt. 

„Die Reichen kaufen keine Originale! Wir haben Kunden, die kommen und kaufen gefälschte Markenware im Wert von 20.000 Dollar! Denn wer reich sein will, muss sein Geld zusammen halten. Nur die Armen sparen, sparen und sparen um sich dann ein Original zu leisten.“

Ein Verkäufer auf dem Großen Basar
Hier gibts alles. Chanel, Prada, Fendi, Gucci, Balenciaga…

Naja, ob das stimmt… keine Ahnung! Vielleicht war es auch nur eine gute Verkaufsstrategie. Angeblich entstehen die qualitativ hochwertigen Fakes so: nach Feierabend produzieren die Arbeiter die Replicas! Gleiche Maschinen, gleiches Leder, gleicher Schnitt. Aber ob auch das wahr ist?

Istanbuls legendäres Streetfood

In der Luft liegt Grillgeruch. Der nach gebrateten Fisch. Der Weg führt über die Galata-Brücke links rüber zu kleinen, verkommenen Häuschen am Ufer des Stadtteils Beyoglu. Das Fischerviertel… Zwischen kleinen Läden mit Ketten, Ankern und Seilen findet man kleine, unprätentiöse  Fischrestaurants. Die Grilltische stehen vor der Tür und verströmen den Duft gebratener Dorade, Seebarsch, Makrele… überall raucht es. 

Unfassbar lecker

Die Istanbuler lieben Fisch – klar, der wird auch direkt vor der Haustür gefangen. Ihr findet überall am Wasser kleine Stände, Restaurants und Imbisse. Das bekannteste Fischgericht, genannt Balik Ekmek (Balik heißt Fisch), ist ein Baguette mit gebratener Makrele und etwas Salat.

Aber tausend Mal besser ist der Wisch-Wrap, also Balik Dürüm! Weniger Teig, mehr Gewürze. Die Angler stehen tagsüber auf der Galata-Brücke, abends mit kleinen Grillständen drumherum. Deren Meinung nach, ist der Fisch nur bei ihnen frisch – im Gegensatz zu den weltweit bekannten Restaurants unter der Galata-Brücke. Aber auch hier – wer weiß… 😉 

So geht der echte Döner Kebab

Auch wenn es dort verschiedene Variationen des Döners gibt (im Brot, im Fladen eingerollt) – eines fällt auf: mit dem in Deutschland zu findenden Döner hat das gar nix zu tun. Hier gibt es nicht das klassich geviertelte Brot. Hier gibt es keinen Rotkohl, Weißkohl oder Gurken. Etwas Salat, mal ein paar Zwiebeln, mal etwas gebratenes Gemüse. Keine Soßenparade. Nicht scharf, Kräuter oder Joghurt. Das würde den Geschmack des Fleisches nur verfremden! 

Ansonsten lieben es die Türken natürlich süß. Verdammt süß. Baklava,  Türkish Delight oder Halva, findet man auch in Deutschland – aber bestimmt nicht so gut und in solch einer Vielfalt. Mein Gott, irre. Es gibt sogar richtige Dessert-Restaurants, eine Mischung aus Patisserie und Café. Für mich persönlich ist das alles zu süß.

Ansonsten sieht mal überall fahrende Stände mit gegrillten Maiskolben, Esskastanien oder Sesamkringeln, Simit genannt. Der Kringel hat dort eine Bedeutung wie bei uns die Brezel. Dafür gibt’s als Dank sogar eine Statur. 

Istanbul ist wirklich, wirklich, wirklich eine Reise wert. Die Menschen sind es wert. Ich habe mich wirklich zu jeder Zeit sicher gefühlt. Auch abends. Klar, ich war auch mit Nino, meinem Mann unterwegs. Wer jetzt diesen Artikel mit einem guten Gefühl und Lust auf die nächste Reise beenden will, der scrollt nicht weiter. Denn klar, auch diese Metropole hat Schattenseiten… 

Achtung: Ende der Feelgood-Zone: das andere Gesicht Istanbuls

Ich könnte diesen Artikel nicht online stellen, ohne die Schattenseiten der Stadt anzusprechen. Das wäre denjenigen, die im Schatten stehen, gegenüber nicht fair. Wie jede Großstadt hat auch Istanbul Großstadtprobleme: qualmende Autos, Stau, Müll, Bettler, Junkies, Straßenkinder.

Und besonders letztere haben mich sehr bewegt. Wenn ich Straßenkinder schreibe, meine ich auch KINDER. Keine Teenies. Teils sind diese Kinder noch Kleinkinder, der jüngste war angeblich zwei. Sie lungern in zerrissenen Klamotten herum, verkaufen Taschentücher und schnüffeln Klebstoff aus kleinen Plastiktüten. Die meisten Augen: leer. 

Diese Straßenkinder werden gerade von Erwachsenen angepöbelt

Istanbuls Straßenkinder

Da darf man nicht wegsehen! Auch nicht als Tourist. Soziale Vereine schreiben im Netz, dass man ihnen kein Geld geben darf. Das würde sie nur noch mehr an die Straße binden. Oft sind es Kinder, die von ihren Eltern zum Betteln auf die Straße geschickt wurden – weil Kinder mehr Mitleid erzeugen als Erwachsene. Viele Kinder erleben solch extreme Gewalt, dass sie zu Hause abhauen – und dann ganz auf der Straße landen. Kinderheime gäbe es, laut Sozialverbände, angeblich zu wenig in der Türkei. 

Einer, der immer und immer wieder hinguckt ist Sevket Sahintas. Er ist wohl der berühmteste Taxifahrer Istanbuls. Weil er hinguckt. Auf seinen Nachtfahrten fotografiert er die, die sonst im Schatten stehen. Er macht sie und ihr Schicksal sichtbar für die ganze Welt. Wer mehr über ihn erfahren will, hier ist zwar ein toller, aber älterer Artikel in deutsch über ihn in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Lieber Straßenhund als Straßenkind?

Eine gewagte Frage! Aber was mir dagegen auffällt, und zwar positiv, ist die Tatsache wie sie dort mit ihren Straßenhunden und Straßenkatzen umgehen. Ich habe etliche Tiere gesehen. Keines war abgemagert oder sah misshandelt aus. Im Gegenteil! An gefühlt jeder zweiten Straßenecke standen Wasserschalen und Katzenfutter. Im Nachhinein macht mich das jedoch nachdenklich. Wird man dort lieber als Straßenhund wiedergeboren? Es scheint so.

Ich hoffe, dass es uns noch sehr lange möglich ist, diese tolle Stadt sehen zu können. In diesem Sinne: ab nach Istanbul! Love it!

MACH’S DIR SCHÖN 
Adebars Töchter

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