Abschied vom Elternhaus

von Marieke

Auch wenn unsere Eltern Gott sei Dank noch leben, so mussten wir uns trotzdem von unserem Elternhaus verabschieden. Sie haben ihr großes Haus verkauft – und so viel ausgemistet. Und so hieß es für uns: es wurde Zeit. Zeit, den Eltern beim Umziehen in die 110qm Wohnung zu helfen. Zeit, das 350qm Elternhaus auszuräumen. Zeit, Lebewohl zu sagen… und aufzuteilen. Und genau das geht auch ohne Streit. Wir zeigen dir wie!

1. Die Vorbereitung

Abschied mit Vorankündigung

Es gibt zig Wege zu dem Punkt wo wir gerade waren. Das Entrümpeln des Elternhauses. Das Aufteilen der Güter. Der womöglich letzte Umzug der Eltern. Wir sind glücklicherweise schon früh mit dem Gedanken aufgewachsen, dass wir uns eines Tages von unserem Elternhaus verabschieden müssen. Spätestens als uns beiden klar war, dass wir die Praxis unseres Vaters nicht übernehmen möchten, fiel für uns die Entscheidung, nicht wieder dort einzuziehen. 

Doch die Frage vor einiger Zeit: „Kind, willst du unser Haus übernehmen?“, stellte mich, Marieke, dann doch vor eine große Entscheidung. Aber nun gut – wie und warum es so gekommen ist, könnt ihr an anderer Stelle lesen. Also…

TIPP: Setze dich gedanklich immer wieder mit dem Thema auseinander – und rede darüber. Gedanken und Gefühle klären sich mit jedem Gespräch.

Nachdenklich. Betroffen. Optimistisch.

2. Das Aussortieren

Wie entscheidet man, was mitkommt und was nicht?

Unseren Vater hat es sehr geholfen zu wissen, dass nicht alles auf dem Müll landet, was er nicht mitnehmen möchte. „Darüber kann sich jemand anderes freuen“, war sein Spruch beim Aussortieren. Und so war es letztendlich auch. Entweder haben wir Kinder uns gefreut, die Cousine oder der Nachbar.

Unsere Verteil-Reihenfolge war so:

  1. Eltern mit Kindern – erste Wahl
  2. Verwandte – zweite Wahl
  3. Ebay – Verkauf besonderer Schätze (Antikes, Schallplatten, o.ä.)
  4. Bekannte
  5. Tag des offenen Hauses (eigentlich hatten wir einen Flohmarkt geplant)
  6. Entrümpler

TIPP von Profi-Aufräumerin Marie Kondo: Entscheidend ist, nur noch die Sachen zu behalten, die einem wirklich Freude machen.  Also: anschauen und auf das Herz hören. Den Rest – nach Kondos Erfahrungen mindestens zwei Drittel des Haushalts – kann man getrost entsorgen bzw. verschenken.

Nur mit leeren Händen kann man nach Neuem greifen.

Unbekannt

3. Das Aufteilen

Wer kriegt was? Erben ohne Streit.

TIPP: Früh und ehrlich miteinander sprechen. Das ist wohl das beste Mittel gegen (Erb)Streitigkeiten.

Im Januar sind wir beide angereist, um gemeinsam mit unseren Eltern durch das Haus zu gehen. Jede Partei hatte sein eigenes farbiges Masking-Tape in der Hand. Natürlich haben unsere Eltern zuerst entschieden, was sie mit in die neue Wohnung nehmen. Danach kamen wir beide dran. Mal waren wir uns schnell einig, mal klebten unsere beiden Tapes auf einem Gegenstand. 

Als wir nun im März wiederkamen, hat der (zeitliche) Abstand sein Gutes getan. Bei der ein oder anderen Sache hat sich das Interesse verflüchtigt und bei anderen Gegenständen hieß es dann einfach: „Ach, nimm du das. Das passt besser zu dir“. Wir müssen sagen: es lief alles absolut harmonisch ab.

4. Das Losalassen

Danke Corona. Du hast es uns leicht gemacht.

Dem Covid-Virus Danke sagen? Ja, in diesem Fall hat er uns davor bewahrt, in ein emotionales Tief zu gleiten. Der Abschiedsschmerz. Wo wir im Januar noch mit Tränen durch Haus und Garten liefen, war der Umzug selbst recht unemotional. Denn Mitte März kam die Corona-Krise mit voller Wucht in Deutschland an. Ausgangssperre, geschlossene Geschäfte, Nachrichten überall. Anstatt abends mit einem Glas Wein über alte Zeiten zu sinnieren, saßen wir zusammen vor der Tagesschau und haben uns die News anschaut.

Ok, ein Glas Cointreau gab es dann doch noch ; )

SCHWESTERNDIALOG: 5 Fragen an die Geschwister Wittneben

Woran denkst du als erstes, wenn du an dein Elternhaus denkst?

Wiebke:

Ich denke sofort an den Blick in den großen Garten mit den imposanten Birken. Ich habe mir als Kind immer eingebildet, sie wären meine Beschützer. 

Marieke:

An den Garten. Und an die unendlichen Stunden, die ich darin gespielt habe.

Welche Party ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wiebke:

Dein (Mariekes) fünfter oder sechster Geburtstag! Als alle Kinder nackig im Planschbecken herumsprangen und sich ihre Bäuche mit Spaghetti Bolo einrieben! Alle Spaghettis schwammen dann im Poolwasser. Herrlich!

Marieke:

Die Party zu meinem 18. Ich habe ihn zusammen mit meiner Freundin bei uns im Garten gefeiert. Aber noch schöner als die Party selbst, war die Vorbereitung. Meine holländische Familie war zum Teil schon angereist, meine besten Freund:innen waren beim Aufbau dabei. Und schon am Vortag gab es an der Gartenbar frisch gezapftes Bier von unserem Freund Philip Aulich, Mitbesitzer der Familienbrauerei Hanöversch.

Was wirst du am meisten vermissen?

Wiebke:

Den Garten und das Geräusch der Türen wenn man sie schließt. Ich hoffe, ich werde den Ton, wenn man die Tür zur Vorküche zumacht, nie vergessen.

Die Tür zur Vorküche

Marieke:

Den Garten. Als Kind habe ich die Bäume beklettert und habe Grassuppe gekocht. Als Jugendlicher habe ich Badminton gespielt. Und als Erwachsener habe ich es geliebt, stundenlang im Garten zu werkeln und in der Sonne zu liegen. Dieser Garten ist und war für mich das Paradies.

Welches war dein Lieblingszimmer?

Wiebke:

Hmmm. Es waren so viele. Aber am liebste mag ich den Wintergarten der so schön groß ist. Die üppigen Palmen darin, der Kamin, der Ausblick auf den Teich und in den Garten… hach, da kommt gerade Wehmut hoch.

Marieke:

Es gibt zwei. Zum einen war es mein (letztes) Kinderzimmer. Da das Elternhaus viele Zimmer hat, wurden die Räume je nach Bedarf und Laune immer mal wieder gewechselt. Aber bei diesem Zimmer gingen meine Wünsche in Erfüllung. Als ca. 16jährige wurde es umgebaut. Parkettboden, begehbarer Kleiderschrank und bodenlange weiße Gardinen. Zudem ist es nach Süden gelegen, sonnendurchflutet und mit Blick in den Garten.

Das zweite Lieblingszimmer ist der Wintergarten. Vor ca. 20 Jahren wurde er angebaut und schwebt zum Teil über dem Teich – zumindest optisch. Aufgrund der Fußbodenheizung konnten wir ihn ganzjährig bewohnen. Hier haben wir herrlich diniert, Ostern mit Freunden an der großen Tafel gesessen oder im Winter gemütlich auf dem Rattansofa vor dem Kamin gesessen.

Der Wintergarten

Dein liebstes Erinnerungsstück. Über welchen Gegenstand freust du dich am meisten, dass du ihn jetzt schon vererbt bekommen hast?

Wiebke:

Das Kaminbesteck! Ich werde es in der Datsche in Ehren halten. Ich weiß noch, wie leidenschaftlich unser Papa früher Feuer gemacht hat. Und wie wichtig und stark er mit diesem Kaminbesteck auf mich wirkte. Sie waren wie seine Waffen, wie Schwerter in einem behutsamen Kampf mit dem Feuer. 

Marieke:

Das ist schwierig zu sagen, da der Großteil eingelagert wurde und auf mein Haus wartet, das ich hoffentlich bald mal besitzen werde. Aber ich freue mich sehr, das ich bestimmte Gemälde mitnehmen durfte und eine große Ladung an Gartenequipment wie Harke, Schubkarre und Spaltmaschine. So kann ich in meinem Zukunftsgarten gleich anfangen zu gärtnern.

Was ich aber jetzt schon liebe, ist das Kräuterregal. Es stand nie auf meiner Wunschliste. Unerwartet kam es zu mir – und begeistert mit jetzt schon jeden Tag.

Ciao, liebes Haus Nummer 16.

Live happy. Live green.
Deine Adebars Töchter

Redaktioneller Artikel. Jegliche Nennungen von Marken, Orten oder Personen sind freiwillig, unbezahlt und unbeauftragt. Werbung wird in unseren Beiträgen als solche deutlich markiert.

2 thoughts on “Abschied vom Elternhaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.